Interview
„Es gibt kein Zurück“

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Sven Gábor Jánszky / Foto: Jörg Gläscher, Shutterstock

Sven Gábor Jánszky (Foto li.) sieht die heutige Premium-Hotellerie künftig im margenschwachen Massensegment, der Fachkräftemangel im Gastgewerbe ist erst der Anfang einer viel größeren Problematik und wer in Zukunft noch auf die Strategie „suchen, finden, buchen“ setzt, hat keine Ahnung, was intelligente Reiseassistenten künftig leisten werden. Gemeinsam mit dem Zukunftsforscher in die Glaskugel zu schauen, hat etwas Beängstigendes und Faszinierendes zugleich. Auf jeden Fall stehen der Branche Zeiten des Wandels bevor – oder sind wir schon mittendrin?

Tophotel: Die deutsche Hotellerie in 50 Jahren – zeigt Ihr Daumen nach oben oder nach unten?

Sven Gábor Jánszky: Generell geht der Daumen nach oben, denn die Mobilität der Menschen und die Anzahl der Reisen steigen auf längere Sicht ungebremst. Allerdings wird die deutsche Hotellerie in 50 Jahren komplett anders aussehen als heute. Der Grund ist das Verschwinden des Standardsegments – ausgerechnet jener Bereich, in dem die meisten Hotels heute noch ihr Geschäft machen. Es bleiben übrig: ein großes, hochdigitalisiertes Massensegment und ein kleines, sehr spezielles Premiumsegment. In beiden kann man weiterhin gutes Geschäft machen. Aber es werden komplett andere Strategien sein als heute.

Tophotel: Dies gilt aus bekannten Gründen auch für den HR-Bereich: Wie wird sich die Hotellerie in Bezug auf das immense Mitarbeiterproblem künftig aufstellen müssen?

Jánszky: Zunächst muss sich die Branche darüber klar werden, dass es kein Zurück in die alte Situation der vielen billigen Arbeitskräfte mehr geben wird. Wir sind auf dem Weg in eine Vollbeschäftigung und erwarten über die kommenden zehn bis 20 Jahre dauerhaft eine Lücke von vier Millionen nicht vorhandenen Arbeitskräften für dringend zu besetzende Jobs im deutschen Arbeitsmarkt. Das beginnt bei den anstrengenden und nicht gut bezahlten Jobs im Service, im Hotel und in der Pflege.

Tophotel: Keine besonders rosigen Aussichten für das Gastgewerbe.

Jánszky: Das Problem dabei: Dies ist erst der Anfang. Die Situation wird noch viel schlimmer, denn die Welle der Massenverrentung der Babyboomer-Generation kommt erst noch. Auch die Gegenmaßnahmen haben wir in unseren Studien ausführlich beschrieben: Die gehen von der starken Digitalisierung und damit dem Ersetzen von menschlicher Arbeit über die finanzielle und mentale Aufwertung der Gastro- und Hoteljobs bis hin zu neuen Geschäftsmodellen aus, die Zusatzerlöse für menschliche Servicearbeit generieren.

Weitere Voraussagen zur Zukunft der Hotellerie lesen Sie im vollständigen Interview mit Sven Gábor Jánszky. In der Juni-Ausgabe von Top hotel äußert er sich beispielsweise über die Themen Digitalisierung, Share Economy und Nachhaltigkeit.

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