Flüchtlingskrise:

Bildquelle: www.ngg.net

Flüchtlingskrise

"Aussetzung des Mindestlohns ist brandgefährlich"

Flüchtlinge für die Dauer von sechs Monaten vom Mindestlohn ausnehmen: Diesen Vorschlag sieht Michaela Rosenberger (Foto), Mitglied der Mindestlohnkommission und Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), kritisch. Außerdem könnte das ihr zufolge das Ende des Mindestlohns sein.

„Der Vorschlag, den Mindestlohn für Flüchtlinge auszusetzen ist brandgefährlich, weil der in einer bereits aufgehetzten Stimmung weiteren Neid und Hass schürt“, erklärt Michaela Rosenberger. „So werden die Schwächsten am Arbeitsmarkt, nämlich Langzeitarbeitslose, Mindestlohnempfänger und Flüchtlinge, gegeneinander ausgespielt. Gleichzeitig würde so der Mindestlohn, dessen Erfolg niemand ernsthaft bezweifeln kann, de facto abgeschafft.“

„Wer auf einen Schlag einer Million Menschen zusätzlich den Mindestlohn verwehrt, der gründet einen Arbeitsmarkt noch unterhalb von 8,50 Euro, auf dem sich verzweifelte Menschen, die ihre Familien in Kriegsgebieten unterstützen wollen, mit Langzeitarbeitslosen um Jobs duellieren“, so Michaela Rosenberger weiter. Das sei nicht nur unmoralisch, sondern auch völlig kontraproduktiv: Dass Langzeitarbeitslose für sechs Monate vom Mindestlohn ausgenommen seien, habe bekanntermaßen eben nicht dazu geführt, dass ihre Integration in den Arbeitsmarkt besser gelingt. Es sei absurd anzunehmen, dass das, was bei Langzeitarbeitslosen nicht klappe, bei Flüchtlingen funktioniere.“

Zu beobachten, wie seit Monaten immer wieder die gleichen falschen, populistischen und gefährlichen Vorschläge von den immer gleichen Leuten kommen, sei „schwer zu ertragen“, so Rosenberger. In der Flüchtlingsfrage würden endlich eine konstruktive Zusammenarbeit in der Regierung und echte Lösungen, statt täglich neue Brandherde und populistische Attacken, gebraucht: „Es ist kaum zu glauben, dass die Mindestlohn-Gegner innerhalb von CDU/CSU und auf Arbeitgeberseite offenbar nicht davor zurückschrecken, die derzeitige Situation auszunutzen, um ihr eigentliches Ziel, den Mindestlohn wieder abzuschaffen, zu erreichen.“