Bestpreis-Klausel
Reaktionen zur Booking.com-Abmahnung

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Das Bundeskartellamt hat Ende Dezember die weitere Verwendung der Bestpreisklauseln von Booking.com untersagt und dem Hotelbuchungsportal aufgegeben, die Klauseln bis zum 31. Januar 2016 vollständig aus den Verträgen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu entfernen, soweit sie Hotels in Deutschland betreffen. Top hotel hat Reaktionen zusammengefasst.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes:
Auch diese sogenannten engen Bestpreisklauseln beschränken sowohl den Wettbewerb zwischen bestehenden Portalen als auch den Wettbewerb zwischen den Hotels selbst. Sie verletzen zum einen die Preissetzungsfreiheit der Hotels auf ihren eigenen Online-Vertriebskanälen. Der Anreiz für ein Hotel, seine Preise auf einem Hotel-Portal zu senken, ist sehr gering, wenn es gleichzeitig im eigenen Online-Vertrieb höhere Preise ausweisen muss. Zum Zweiten wird der Marktzutritt neuer Plattformanbieter weiterhin erheblich erschwert. Aufgrund der Bestpreisklauseln besteht praktisch kaum ein Anreiz für die Hotels, ihre Zimmer auf einer neuen Plattform günstiger anzubieten, solange sie diese Preissenkungen auf ihren eigenen Webseiten nicht nachvollziehen können. Ein erkennbarer Vorteil für den Verbraucher ist damit nicht verbunden.

Gillian Tans, Präsidentin von Booking.com
"Wir sind der Ansicht, dass die Entscheidung mangelhaft ist, da sie die Vorteile, die Online-Hotelbuchungsportale wie Booking.com gegenüber Kunden und Unterkünften erbringen, nicht anerkennen. Online-Reisevermittler wie wir bieten Reisenden in der ganzen Welt Transparenz, Auswahl und zusätzlichen Nutzen, indem wir Informationen über hunderttausende Unterkünfte aggregieren. Dadurch sparen Verbraucher Zeit und Geld. Zugleich fungieren wir als ein höchst kosteneffizienter Online-Vertriebskanal und eine Marketing-Plattform für Hotels und Unterkünfte weltweit in einem zunehmend globalen und digitalen Markt. Verbraucher profitieren von der erhöhten Preistransparenz, ohne eine Vielzahl von Hotelwebseiten auf den günstigsten Preis prüfen zu müssen."

Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland
„Wir sind erleichtert, dass das deutsche Bundeskartellamt mit der heutigen Entscheidung anders als die Wettbewerbsbehörden in Frankreich, Italien oder Schweden, die von Booking.com angebotenen Deals zurecht als gänzlich unzureichend zurückgewiesen hat. Mit dem Beschluss sollte nun das Ende des Paritätenregimes in Deutschland für alle Portale eingeläutet sein. Das ist für die Hotellerie ein wichtiger Schritt zur Wiedererlangung der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit und wird für faireren Wettbewerb in der immer wichtiger werdenden Online-Distribution sorgen“.

WDR – Kommentar von Johannes Zuber
»Schon jede fünfte Buchung läuft über eines der Vergleichsportale – Tendenz steigend. Hotels können es sich kaum noch leisten, nicht auf den Portalen vertreten zu sein. Und die nutzen ihre Macht aus. Schon jetzt verlangen sie Provisionen von 20 Prozent und mehr. Schlecht für die Hotels – und letztendlich auch für die Kunden. Sie müssen den Preis am Ende nämlich zahlen. Von daher hat das Kartellamt eine gute Entscheidung getroffen. Wer in Zukunft ein Hotelzimmer bucht, muss zwar mehr vergleichen – online, direkt bei den Hotels, im Reisebüro. Am Ende zahlt es sich aber aus.«

 

Hintergrund:

Booking verpflichtete Hotels zunächst, dem eigenen Hotelbuchungsportal den niedrigsten Zimmerpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die günstigsten Buchungs- und Stornierungsbedingungen anzubieten, und zwar auf allen Online- und Offline-Buchungskanälen („weite Bestpreisklausel“). Im Laufe des Verfahrens hatte das Unternehmen dem Bundeskartellamt dann angeboten, eine modifizierte Bestpreisklausel einzuführen. Danach erlaubt Booking den Hotels zwar, ihre Zimmer auf anderen Hotel-Portalen preiswerter anzubieten, schreibt ihnen aber weiterhin vor, dass der Preis auf der hoteleigenen Website nicht niedriger sein darf als bei Booking („enge Bestpreisklausel“). Diese veränderte Form der Bestpreisklauseln hat Booking im Juli 2015 in Deutschland auch umgesetzt.

Bereits Ende März 2015 hatte das Bundeskartellamt in einer Abmahnung gegenüber Booking deutlich gemacht, dass die von Booking angebotene Reduzierung der Reichweite der Bestpreisklauseln nicht ausreicht, um die wettbewerblichen Bedenken zu beseitigen. Gegen die Verfügung kann Booking Beschwerde beim OLG Düsseldorf einlegen und gegen die sofortige Vollziehbarkeit einstweiligen Rechtsschutz beantragen.

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