Blick in die Gastro-Glaskugel: „Trend ist, keinem Trend zu folgen“

Bildquelle: James und David Ardinast

Blick in die Gastro-Glaskugel

„Trend ist, keinem Trend zu folgen“

Wann ist ein Hype wirklich auch ein Trend und so interessant und langlebig, dass es sich lohnt, in ihn zu investieren? Darüber und über die Gastrotrends 2016 diskutierten Experten Im Vorfeld der Intergastra im Rahmen eines Medientags.

„Trend ist, keinem Trend zu folgen“, sagen zwei, die es wissen müssen: James und David Ardinast aus Frankfurt haben in den letzten Jahren mit mehreren Restaurantkonzepten wie dem Maxie Eisen oder dem Stanley Diamond das richtige Gespür bewiesen. Dass es durchaus dazugehört, ganz bewusst einen Gegentrend zu setzen, davon sind die beiden Gastronomen überzeugt. „In Zeiten, in denen viele Sterneköche die Tischdecken verbannen, ist es doch gerade spannend, die Tische wieder einzudecken.“ Deshalb sind die Brüder mit ihrem Fine-Dining-Konzept auch mitten ins Frankfurter Bahnhofsviertel gegangen.

Den Beweis dafür, dass Fast Food nicht zwangsläufig ungesund sein muss, haben in den letzten Jahren Foodtrucks oder Edelimbisse geliefert. Denn dort werden nicht nur handgemachte Bio-Burger und veganes Asia-Food serviert, sondern auch glutenfreie Cupcakes und Chia-Puddings werden in den Pop-Up-Cafés der Metropolen angeboten. Heute, so die Meinung vieler Experten, sind die meisten Anbieter streng kommerziell ausgerichtet und aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung wissen David und James Ardinast, dass sich mit Trends kein Geld verdienen lässt. „Erst dann, wenn etwas nicht mehr trendy ist, sondern langsam im Mainstream ankommt, lohnt sich das Geschäft und die Investitionen. Trends waren in einem frühen Stadium unternehmerisch leider noch nie attraktiv.“

Wichtig ist dabei, nicht einfach auf einen Trend mit aufzuspringen, gerade weil die Verbraucher sich für eine authentische Idee begeistern und die Geschichte hinter dem Produkt immer wichtiger wird. „Natürlich kann man das Rad nicht immer neu erfinden, aber Gastronomie ist eben vor allem eins, nämlich Storytelling“, erklärt David Ardinast. Bei der Entwicklung neuer Gastronomiekonzepte ist daher vor allem wichtig, die Idee so zuzuspitzen oder speziell zu gestalten, dass die Gäste schon vorsortiert werden. Schließlich fühlt sich nicht jeder potentielle Gast gleichermaßen von einer Idee angezogen. Der Trend lautet also, lieber etwas weniger zu machen, das dann aber besonders gut. Ferdinand Pillenstein, Gründer des Start-Ups Suppdiwupp ergänzt: „Gerade weil sich mit Trends kein Geld verdienen lässt, und der Bedarf an mobilen Gastro-Lösungen zunehmen wird, steige ich mit Suppdiwupp jetzt verstärkt im Bereich Foodtrucks ein. Ich bin gespannt, wie sich die Szene entwickelt und freue mich auf das Foodtruck-RoundUp während der kommenden Intergastra.“ 

Dass eine authentische und qualitativ hochwertige Küche einer der wichtigsten aktuellen Trends ist, darüber sind sich die Experten einig. Durch Lebensmittelskandale und eine immer größer werdende Transparenz sind Gäste und Verbraucher heute so gut aufgeklärt, dass sie eine ehrliche Küche einfordern. „Da kann Omas Linseneintopf mit Speck, eine fränkische Kartoffelsuppe oder traditioneller Grießbrei oft stark punkten. Diese Nachfrage war auch der Auslöser, das Unternehmen Suppdiwupp zu gründen, bei dem genau diese Leibgerichte auf den Tisch kommen“, so Pillenstein.

Und obwohl sich auch der Jungunternehmer bei seinen Zutaten auf regionale Produkte fokussiert, sind die Experten sicher, dass der Regionaltrend als solcher nicht mehr so stark ist. Gründe dafür sind unter anderem die Eindimensionalität, die nicht immer beste Qualität, und insbesondere der Faktor, dass neue Philosophien wie Animal Welfare mehr in den Vordergrund rücken. „Der Regionaltrend wird immer einen gewissen Bestand haben, der große Hype ist aber vorbei“, so die Ardinast-Brüder. „Wir freuen uns darauf, die aktuellen Trends und Konzepte mit vielen interessanten Menschen und Branchenexperten auf der Intergastra zu diskutieren.“

Link zur Messe: www.intergastra.de