Mindestlohn
DEHOGA Sachsen rechnet mit negativen Auswirkungen

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Seit Beginn dieses Jahres gilt in Deutschland der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Auch nach den ersten Monaten sind sich insbesondere Arbeitgeber und Politik nicht einig: Ist der Mindestlohn Fluch oder Segen? Welche Auswirkungen hat die Regelung auf die einzelnen Branchen? Mit einer umfangreichen Studie versucht der DEHOGA Sachsen nun in Zusammenarbeit mit der SRH Hochschule Berlin am Campus Dresden diese Frage für das Gastgewerbe in Sachsen zu beantworten.

„In gewisser Weise sind uns die Folgen des Mindestlohns für die einzelnen Branchen und Betriebe nahezu unbekannt. Die Auswirkungen werden zwar in Teilen thematisiert, allerdings gilt das meist nur für einzelne Betriebe. Was bisher jedoch gefehlt hat, waren Vergleiche oder Studien, die so breit angelegt sind, dass man eine erste Bilanz ziehen kann“, erklärt Helmut Apitzsch, Präsident des DEHOGA Sachsen, den Hintergrund der Studie.

In Zusammenarbeit mit dem Campus Dresden der SRH Hochschule Berlin hat man deshalb im Frühjahr eine Studie angestoßen, die ein besseres Bild der Auswirkungen des Mindestlohns auf die sächsischen Hotel- und Gaststättenbetriebe zeigen soll. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Fragen nach den konkreten Folgen des Mindestlohns für die Betriebe, aber auch welche der Unternehmen eher betroffen sind als andere. Ein weiteres Augenmerk liegt außerdem auf der Frage nach möglichen Anpassungsmaßnahmen, die die Betriebe ergriffen haben.

Bei der Erstellung der Fragebögen sowie der Erhebung der Daten sind Studierende des Studiengangs „Internationales Hotelmanagement“ an der SRH Hotel-Akademie Dresden intensiv eingebunden worden. Zwischen Mai und Juni haben sie rund 1.300 Betriebe in ganz Sachsen telefonisch und per Mail befragt. Antworten gab es von 17,2 Prozent aller befragten Unternehmen. Somit eine Größe, die als repräsentativ gelten kann.

Größere Auswirkungen in ländlichen Gebieten


Demnach haben die Ballungsgebiete wie Dresden und Leipzig weniger Probleme mit den Auswirkungen des Mindestlohns, da in diesen Regionen mehr große Hotelketten angesiedelt sind. Strukturschwache, ländliche Gebiete abseits der beiden Großstädte hingegen, so die Studie, spüren die Auswirkungen des Mindestlohns deutlicher. In diesen Regionen betreiben vor allem Familienunternehmen kleinere Hotels und Gaststätten mit deutlich geringeren Umsätzen. Bisher haben die Betriebe dieser Regionen die Mehrkosten durch den Mindestlohn mit Preiserhöhungen kompensieren können.

Wie die Studie zeigt, werden sie in Zukunft jedoch auch zu Personalkürzungen und Angebotsveränderungen greifen müssen, um zu überleben. Außerdem führt die Dokumentationspflicht der Arbeitszeiten in den ländlichen Kleinbetrieben zu kräfteraubenden zeitlichen und personellen Anpassungen. Auch der Umsatz hat sich laut der Hälfte aller Betriebe im Gegensatz zum Vorjahr merklich verschlechtert. Laut der Studie herrscht zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern dennoch nach wie vor Uneinigkeit über die Vor- und Nachteile des Mindestlohns.

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