Apartment Camp 2015
Von Game-Changern und der Generation Y

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Apartment Camp 2015

Ein Füllhorn der Inspiration war das diesjährige Apartment Camp in Berlin. Schnell zeigte sich dabei auch die partielle Ratlosigkeit der Branche, wie denn neuen Playern wie Airbnb zu begegnen ist, und welche Vorkehrungen nötig sind, um die Generation Y als Gast oder Mitarbeiter ins (Apartment)-Hotel zu ziehen. In Impulsvorträgen und Workshops wurden den Hoteliers Lösungsansätze präsentiert.

Martin Possekel zeigte den Teilnehmern des sechsten Apartment Camps schonungslos die Realität auf: »Game-Changer wie Booking.com oder Airbnb sind da – und sie gehen nicht wieder weg. Sie sind erst der Anfang!« Der Geschäftsführer der United Customer Management GmbH weiß wovon er redet, schließlich erlebte er in den vergangenen zehn Jahren als einer der führenden Köpfe für die Themen Zielgruppenmarketing und strategische Daten-Analyse in der Otto Group hautnah mit, wie unter anderem Zalando in Rekordzeit zu Europas größtem Online-Modehändler wurde. Derart hochprofessionelle Verkaufsmaschinerien mit scheinbar nicht versiegen wollenden Geldquellen sind nicht mehr aufzuhalten.

Was aber kann die Branche tun? »Jene Chancen nutzen, die die OTAs nicht haben, schließlich wird der Mensch nicht ersetzt werden können.« Possekel meint damit den persönlichen Kontakt, aber auch das individuelle Wissen in Bezug auf Verhalten, Vorlieben und Einstellungen der Gäste, das gezielt generiert, aufgebaut und genutzt werden muss. Stichwort Smart Data. Diesen Gedanken nahm im Rahmen der Impulsvortäge mit Brendan May von der SnapShot GmbH ein weiterer Experte auf, der den Teilnehmern empfahl, sich nicht im Daten-Dschungel zu verirren, sondern jene Informationen zu filtern, die für den Betrieb relevant und handelbar sind.

Als weiteres essentielles Thema kristallisierte sich der Umgang mit der Generation Y heraus. Christoph Fellinger, Director Talent Scouting Beiersdorf AG, warf mit Blick auf das Jahr 2020 die Frage in den Raum, ob die nachfolgende Generation dann überhaupt noch in Apartment Hotels leben will. Die Antwort könnte durchaus »ja« lauten, wenn die Branche die aktuellen Trends nicht verschläft und beispielsweise in »Coworking Spaces« investiert, in denen Freiberufler, Kreative, kleinere Startups oder digitale Nomaden in meist größeren, offenen Räumen arbeiten und dabei voneinander profitieren. Auch lohne es sich, die einfachen, effizienten Buchungsprozesse beispielsweise von Airbnb als vorbildlich zu begreifen, denn genau das ist es, was die Generation Y verlangt.

Viele Themen und Diskussionen werden The Living Hotels und Moderator Anton Hell mit Sicherheit auf die Agenda des Apartment Camps 2016 setzen, da sie die Branche in ihrer Gesamtheit betreffen. Beispielsweise muss die junge Generation nicht nur als Gast für das eigene Hotel gewonnen werden, sondern auch als Mitarbeiter. Zahlreiche Hotels stellen sich bereits darauf ein, doch gehen die Verbände, allen voran der Dehoga, diesen Weg bei der Ausbildung mit? Oder untergraben allzu antiquierte Praktiken und Denkweisen mancherorts den Vorstoß, die GenY für das Gastgewerbe zu gewinnen? 

Auf der Podiumsdiskussion teilte Barbara Schagen von der Deutschen Post DHL Group kräftig aus. Anstatt sich Sorgen zu machen über die Share Economy-Lösungen für Übernachtungen, forderte sie die Branche auf, sich wieder auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Alexander Winter von ARCONA Living sowie Michael Schlößer vom Bonnox Boardinghouse & Hotel vertraten die Branche während der Diskussion über diese Stärken, die unter reger Publikumsbeteiligung stattfand. Ihnen pflichtete Martin Possekel, United Customer Management GmbH, bei, dass ein großer Pluspunkt hinter dem Front Office oder der Bar steht – das Personal. Sebastian Schroer, Autor des Buchs „Airbnb, 9Flats und ich“ erzählte offen von seinen Erfahrungen als privater Gastgeber, der zum Abschied von Kunden umarmt wird. Um einen besseren Einblick in die Wünsche des Business-Reisenden zu bekommen, beleuchtete Michael Krenz von der TourisMarketing Service GmbH die aktuellen Probleme beim Buchen von Serviced Apartments.

Weitere Infos: http://living-hotels.de/