Diskussion um Arbeitszeitgesetz
Fischer-Forderung sorgt für Wirbel

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v.li.: Ernst Fischer (DEHOGA), Burkhard Siebert (NGG), Jürgen Gangl (HDV)

Eine Aussage von Ernst Fischer, Präsident des DEHOGA Bundesverbands, sorgt seit vergangener Woche für Wirbel in der Branche. Es geht dabei um die Forderung nach einer Anpassung des Arbeitszeitgesetzes im Gastgewerbe. Nach einer scharfen Reaktion der Gewerkschaft NGG meldete sich nun die HDV zu Wort.

Der am 11. Juni 2015 in Zusammenhang mit der DEHOGA-Jahrespressekonferenz veröffentlichte „Branchenbericht Frühjahr 2015“ enthält Zündstoff. Der Bundesverband fordert darin „eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an die Lebenswirklichkeit. Der konkrete Vorschlag lautet: An maximal drei Tagen pro Woche eine Arbeitszeit von bis zu zwölf Stunden zu ermöglichen. Wohlgemerkt: Es geht um keine Verlängerung der Gesamtarbeitszeit.“ (Top hotel berichtete). 

Präsident Ernst Fischer erläutert: „Stellen Sie sich vor, eine Veranstaltung, etwa eine Hochzeitsfeier, dauert länger als geplant. Unsere Betriebe können nicht mitten in der Nacht die Mitarbeiter wechseln. Der Gastronom steht vor der Wahl: Die Hochzeitsfeier vorzeitig beenden oder ein saftiges Bußgeld bis zu 15.000 Euro zahlen.“

Gewerkschaft NGG antwortet prompt


Doch „das unternehmerische Risiko, notwendige Zeitreserven, zum Beispiel bei einer Hochzeit, nicht ausreichend eingeschätzt zu haben, ist keineswegs neu und darf nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden“, so die prompte Antwort der NGG auf die Aussagen von Fischer.

Die Aussagen des stellvertretenden NGG-Vorsitzenden Burkhard Siebert sorgen im Rahmen der Diskussion nicht für Abkühlung: „Mit seiner Forderung nach einer Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden setzt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband die Gesundheit der im Gastgewerbe beschäftigten Menschen aufs Spiel.“ Die entsprechende Pressemitteilung vom 11. Juni titelt mit einem Siebert-Zitat: „Hoteliers und Wirte machen ihre Beschäftigten krank“.

Wie es in einer weiteren Pressemeldung der NGG vom 13. Juni weiter heißt, kämen zu einer strukturell ungünstigen Arbeitssituation im Gastgewerbe (Nachtschichten, Wechseldienste etc.), wo die Beschäftigten außerdem regelmäßig stressigen Situationen ausgesetzt seien und „schon zwei Stunden mehr als normal“ arbeiteten, physische Faktoren wie schweres Tragen, Arbeiten bei Hitze und Kälte oder hoher Lärmbelastung hinzu. Deswegen fordert Siebert: „Hände weg vom Arbeitszeitgesetz!“

HDV schaltet sich in die Diskussion ein


In einer Pressemitteilung vom 15. Juni verwahrt sich schließlich die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV) gegen den Vorwurf der NGG, die Hotellerie mache ihre Mitarbeiter krank. Eine solche Pauschalierung sei ungeheuerlich, so HDV-Vorsitzender Jürgen Gangl. Sie schade der gesamten Branche, so der Direktor des Hotels Park Inn Berlin, und „beleidigt alle untadeligen Arbeitgeber unter uns.“ Auf die Aussagen des DEHOGA, welche die derzeitige Diskussion ausgelöst hatten, geht die HDV dagegen nicht ein.

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