Sharing Economy
Airbnb wird immer stärker

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Die weltweit führende Plattform für Privatvermieter wurde jetzt zum offiziellen "alternativen Unterbringungspartner" für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien ernannt. Airbnb wird damit noch bekannter und noch mächtiger.

Das Unterkunfts-Portfolio von Airbnb kann ungehemmt wachsen: Es werde weder von Platzbeschränkungen noch Immobilieninvestoren getrieben, heißt es unter Analysten. Airbnb-Mitgründer Brian Chesky twitterte stolz Anfang vergangenen Jahres: Marriott wolle in diesem Jahr 30.000 neue Zimmer hinzugewinnen, bei Airbnb schaffe man dies in nur zwei Wochen. In den USA verfügte Airbnb den aktuellsten Statistiken zufolge über rund 550.000 Zimmer (+511%). Zum Vergleich: Starwood Hotels kam auf rund 356.000 Zimmer und Marriott auf etwa 373.000 Zimmereinheiten. ​

Durchschnittlich blieben Airbnb-Gäste für rund fünf Nächte. Hotelgäste bleiben im Durchschnitt nur für 2,8 Nächte in einem Haus.  Laut Airbnb nutzen 20 Millionen Menschen die Dienste des erst vor fünf Jahren gegründeten Unternehmens. Neben Privatunterkünften findet man dort mittlerweile auch Hotels. Für 2015 kann von einem wachsenden Markt ausgegangen werden. Wie die Kunden darauf reagieren und ob und wie lange diese Portale es für vorteilhaft halten, Hotels an ihrem Markt teilhaben zu lassen, wird das Jahr zeigen.

Hoteliers und Touristiker sehen Politik gefordert 

Kritik der Hoteliers: Die Privatvermieter von Airbnb scheren sich weder um Mindestlohn für Reinigungskräfte noch um Brandschutz- und Hygiene-Vorgaben sowie um Bettensteuern. "Dieser Wertungswiderspruch muss schnellstmöglich aufgehoben werden. Die Politik muss dringend Spielregeln finden, die für einen fairen Wettbewerb sorgen!“, sagte Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW)

Airbnb-Geschäft mit Ferienwohnungen höhlt Markt für Mietwohnungen aus 

Die Umwandlung von Mietwohnungen in teils illegale gewerbliche Ferienwohnungen ist in deutschen Großstädten weiter verbreitet als gedacht. Dies zeigt eine Untersuchung von Wohnungsangeboten auf der Internetplattform Airbnb, die das Wirtschaftsmagazin "Capital" in Auftrag gegeben hat. Demnach werden allein in den beliebten Kiezlagen Berlins inzwischen fast 6.000 Wohnungen über Airbnb dauerhaft als Ferienwohnungen vermietet, obwohl sie laut offiziellem Airbnb-Angebot eigentlich nur übergangsweise an Touristen untervermietet werden sollen. Auch in Hamburg, München und Köln fanden sich jeweils weit über 1.000 vergleichbare Angebote.  Die neuen Zahlen sind brisant, gilt der Markt für Mietwohnungen in den Zentren deutscher Großstädte doch ohnehin als angespannt. In den beliebten Vierteln von Berlin, München, Köln und Hamburg sind die Quadratmeterpreise für Neuvermietungen in den vergangenen Jahren zum Teil drastisch gestiegen.

Wie sich nun zeigt, werden aber etwa in Berlin viele Wohnungen gar nicht mehr an reguläre Dauermieter, sondern an Touristen vermietet, weil die Mieteinnahmen so deutlich höher sind.  Der Geschäftsführer des Berliner Mietvereins, Reiner Wild, greift Airbnb scharf an: "Bei den Plattformen geht es zumeist um lukrative Geschäfte mit Ferienwohnungen, durch die auf angespannten Wohnungsmärkten dringend benötigter Wohnraum für langfristige Mietverhältnisse entzogen wird", so Wild gegenüber "Capital". Er fordert schärfere gesetzliche Regelungen gegen die Umwandlung von Miet- in Ferienwohnungen. "Länder und Kommunen sollten dort, wo Wohnraumschutz noch nicht existiert, verstärkt auf gesetzliche Regelungen zum Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum setzen", sagte Wild weiter.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), Markus Luthe, attackiert die neue Konkurrenz: "Die Analyse von "Capital" bestätigt unsere Vermutung, dass das Geschäftsmodell von Airbnb mit idealistischer 'Sharing Economy' wenig gemein hat." Die Rede vom Teilen sei "Sozial-Romantik" und diene "knallhartem Marketing-Kalkül".  Unter dem Schlagwort "Sharing Economy" werden seit einigen Jahren unter anderem Angebote zusammengefasst, bei denen Kunden bestimmte Güter nicht mehr kaufen, sondern miteinander teilen - vom Werkzeug über Autos bis zu Wohnungen.

Hunderte von jungen Internetfirmen haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, Vermietungen oder auch Dienstleistungen wie Fahrdienste von Privatpersonen zu vermitteln. Auch Airbnb hatte bislang stets darauf verwiesen, dass über ihre Plattform hauptsächlich Privatpersonen ihre Wohnungen für kurze Zeit untervermieten.  Aus der "Capital"-Untersuchung lässt sich allerdings auch erkennen, dass Airbnb-Anbieter häufig mehr als nur eine Wohnung kontrollieren. Allein in Berlin haben 216 Anbieter drei und mehr Wohnungen zur dauerhaften Vermietung eingestellt - ein klares Indiz für eine gewerbliche Vermietung. Einzelne Vermieter verfügen sogar über mehr als 40, manche über mehr als 70 Wohnungen.

 

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