Das Online-Bewertungsportal Yelp, bei dem auch viele Gastronomiebetriebe präsentiert werden, versucht offenbar mit einem Algorithmus unechte Rezensionen fernzuhalten. Auch andere Services hätten ähnliche Systeme implementiert.
Kategorie: News
Text: Markus Keßler/Pressetext, 26. April 2012
Dies berichtet die Nachrichtenagentur Pressetext. In manchen Fällen würden schlechte Bewertungen von der Software als gefälschte Einträge gekennzeichnet und von den Seiten verbannt. Dies könne zu positiven Verzerrungen der Bewertungen von Produkten und Dienstleistungen führen, heißt es. Im Internet diskutieren Yelp-User bereits über die automatisierte Ergebnis-Verfälschung, die auch finanzielle Einbußen bewirkt.
Der Filter, den Yelp laut dem Bericht installiert habe, versucht gefälschte Rezensionen von der Plattform zu entfernen. Unter anderem löscht der Algorithmus Einträge von Usern, die nur eine Bewertung abgegeben haben und ansonsten keine Aktivität zeigen, also beispielsweise keine Freunde auf der Seite haben und nicht kommentieren. Viele falsche Einträge erfüllen diese Kriterien. Allerdings würden auch Wertungen von extrem erbosten Usern, die sich nur aus Wut eingeloggt haben, um eine einzige schlechte Kritik zu verfassen, entfernt. Bei extrem schlechten Produkten und Dienstleistungen führe das zu einer ungerechtfertigt positiven Bewertung.
"Ein Algorithmus ist immer schlechter als eine manuelle Auswahl. Allerdings können automatisierte Prozesse verbessert werden. Auch der Google-Algorithmus war anfangs gröber als heute", sagte Olaf Kopp von SEM Deutschland gegenüber Pressetext. An der Verbesserung solcher Automatismen wird derzeit gearbeitet. Der derzeitige Yelp-Mechanismus entfernt in manchen Fällen über 70 Prozent der Wertungen zu Unrecht. Diese Fehler kosten viele Nutzer bares Geld, da Yelp mitunter recht teure Produkte rezensiert.
Dazu kommt, dass professionelle Anbieter für falsche Bewertungen mittlerweile gelernt haben, ihre Fake-Profile so anzupassen, dass sie nicht mehr ausgefiltert werden. Damit siebt der Algorithmus zunehmend die falschen Einträge aus. Ein Lösungsvorschlag wäre, dass alle User von Bewertungsplattformen sich ausweisen müssen. "Das Koppeln an Social-Media-Accounts wäre eine Möglichkeit. Allerdings würde eine Identifikationspflicht wahrscheinlich viele User vom Bewerten abhalten", erklärte Kopp.
Auch andere Folgen sind zu bedenken. "Wenn die Idee des anonymen Internetgebrauchs erhalten werden soll, ist eine Identifikation nicht der richtige Weg", sagt Philipp Kramer von der Hamburger Datenschutzgesellschaft. Solange es keine praktikable Lösung für das Problem gibt, stellt sich die Frage, ob Bewertungsportale überhaupt noch Sinn machen.
"Bewertungen an sich sind sinnvoll. Ob Bewertungsportale, die oft mit Provisionsmodellen arbeiten, weiterhin Relevanz haben, ist weniger sicher. Das ganze Geschäftsmodell ist vielleicht fehlerhaft. Bewertungen direkt beim Händler und Testportale sind eher vertrauenswürdig", so Kopp. Nimmt der Missbrauch von Rezensionsplattformen zu, könnte sogar ein rechtliches Problem für die Betreiber entstehen: "Wenn der Crowd-Ansatz manipuliert wird, kann das eine wettbewerbsrechtliche Komponente haben. Ich halte es jedenfalls nicht für klug, sich bei Kaufentscheidungen einzig auf Bewertungsplattformen zu verlassen", sagt Kramer.
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