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Hotelmarkt Thailand: Traum und Albtraum

Hotelmarkt Thailand

Traum und Albtraum

Khao Lak: Tropisches Urlaubsparadies. Malerischer Strand. Unberührter Naturpark. Khao Lak: Verheerender Tsunami. Jahrhundertkatastrophe. Mehr als 4.000 Tote. An einem solchen Platz viele Millionen zu investieren, zeugt von großer Zuversicht. Robinson und TUI haben diesen Optimismus bei ihrem ersten Club auf asiatischem Festland und leben das »Nach-Vorne-Schauen« vor.

 »Wir wollten schon lange nach Thailand«, erzählt Robinson-Geschäftsführ Bernd Mäser. Der schlaksige Zwei-Meter-Mann blickt sich in seinem neuen Domizil zufrieden um und strahlt im Land des Lächelns. Einen schöneren Standort für die Premiere hätte Robinson kaum finden können. Die 280.000 Quadratmeter umfassende Anlage im Südwesten, mitten im Grünen und direkt an einem 13 Kilometer langen Strand, ist die größte des Marktführers – und einer der anspruchsvollsten. Sie bietet dem Premium-Clubveranstalter seit 2017 optimale Möglichkeiten, alle Zielgruppen anzusprechen. Hier kann man auf hohem Niveau mit allen Sinnen genießen, (fast) alles und nichts tun. Mit dem großzügigen Resort bei Khao Lak und dem zeitgleich eröffneten zweiten Club auf den Malediven (Noonu) stößt Robinson ins Luxussegment vor. Für Mäser aber kein Indiz für eine neue Strategie. »Es ist gut, dass wir auch Fünf-Sterne-Qualität im Angebot haben, doch unser Schwerpunkt liegt weiter auf Vier-Sterne-Plus«, erläutert der Geschäftsführer.

Robinson, derzeit mit 24 Clubs (6.000 Zimmer und rund 15.000 Betten) in 13 Ländern vertreten, will nach eigenen Angaben in verschiedenen Regionen expandieren und zusätzliche Märkte erschließen. Die Clubs in Asien sollen neben der Hauptklientel aus den deutschsprachigen Ländern andere Europäer, Asiaten und Australier anziehen. Der Projektentwickler hat freilich weitere Destinationen im Visier. »Ich bin überall in der Welt unterwegs«, sagt Mäser. »Wunschorte« will er nicht nennen, »bis die Tinte unter dem Vertrag trocken ist«. Die Karibik gehört natürlich dazu, so viel räumt er immerhin ein. Wachstum muss laut Mäser mit wirtschaftlicher Qualität verbunden sein. Wann die Zielmarke von 40 Clubs erreicht werden soll, lässt der Manager, der seit Sommer 2015 an Bord ist und seither fünf Anlagen eröffnet hat, offen. Fakt ist aber: Der Trend geht deutlich zum Eigentum, bis dato lagen Management, Pacht und Besitz mit jeweils einem Drittel gleichauf. Den bislang von Robinson betriebenen Club Landskron in Österreich hat der Konzern unlängst gekauft, ebenso wie ein 15 Hektar großes Grundstück bei Ierapetra auf Kreta und eine knapp 50.000 Quadratmeter große Anlage auf den Kapverden. Auf der Insel jenseits von Afrika, einem Eldorado für Wassersportler, startet Robinson bereits in diesem Sommer, auf dem griechischen Eiland zwei Jahre später.

Am Resort in Khao Lak ist Robinson mit 50 Prozent beteiligt. Der Partner, ein thailändischer Unternehmer, hatte das damalige Le Méridien im Dezember 2004 aufgesperrt – nur drei Wochen vor der fürchterlichen Flut, die die Anlage zerstörte und seine Tochter tötete. Er baute das Hotel wieder auf und erweiterte es unter verschiedenen Pächtern – zuletzt Pullman – kontinuierlich. Robinson hatte im vergangenen Jahr nochmals viel renoviert, wichtige Bereiche von Grund auf erneuert sowie zusätzliche Einrichtungen geschaffen wie Restaurants, Bars, Kinderclub, Spa, Fitnessstudio, WellFit-Räume sowie die gesamte Sportanlage mit vier Tenniscourts, Fußball- und Beachvolleyballplatz. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 320 Zimmer mit 700 Betten in 13 Kategorien verteilen sich im Grünen auf zwölf Wohnblöcke, dazwischen neun Pools und Dutzende Teiche und Wasserspiele. Die Mehrzahl der Suiten und Bungalows sowie alle Villen haben eigene kleine Pools. Dass dieser Mix bei der Klientel ankommt, zeigen die Reviews auf den großen Bewertungsportalen.

Hinweisschilder auf die »Tsunami-Evacuation-Route« rufen das Unglück ins Bewusstsein, das mehrere Mitarbeiter erlebt haben, darunter die einheimische Personaldirektorin. Keiner ihrer Vorfahren erinnert sich an einen Tsunami dieser Größenordnung. In Khao Lak glaubt niemand, dass die Katastrophe sich wiederholt. Vorsicht ist allerdings Pflicht. »Das Frühwarnsystem im Meer ist verbessert worden, das Personal wird regelmäßig geschult«, berichtet Clubdirektor Andi Küng.

Die Urlauber verdrängen solche Sorgen. Wir hatten in dieser wunderschönen Anlage ein herrliches Feriengefühl. Das fing schon beim Frühstück auf der Terrasse des den Villen-Gästen vorbehaltenen Terrace-Restaurants an: Die Aussicht auf den Traumstrand ist einerseits so faszinierend, dass man ewig sitzen bleiben könnte, und macht andererseits Freude auf den Tag. Ähnlich stimmungsvoll ist die Kulisse nachmittags beim »Sundowner« vor der Bamboo-Bar in bequemen Loungekissen unter Kokospalmen. Das vielfältige und sehr schmackhafte Essen gehört zu den Pluspunkten, das abendliche Showprogramm war anfangs noch nicht Robinson-like. Insgesamt gefällt aber die Kombination aus gewohnter Qualität und thailändischem Service, wobei manche der knapp 400 Mitarbeiter den Spagat zwischen angeborener Zurückhaltung und erwartetem Selbstbewusstsein noch lernen müssen. Das neue Schmuckstück im Portfolio dokumentiert die Absicht der Chefs, das Profil des Reiseveranstalters zu schärfen und unterschiedliche Philosophien zu verwirklichen. In fünf Clubs sind Erwachsene demnächst unter sich, in Khao Lak etwa die »heiligen« Achter-Tische die Ausnahme. Die meisten Gäste sitzen zu zweit oder zu viert zusammen. In den Villen gibt es Minibars und überall Room-Service – früher undenkbar bei Robinson. Die Frage, ob dadurch der Markenkern verändert werde, hält Bernd Mäser für abwegig. »Wir reagieren auf die Wünsche unserer Kunden«, betont er. »Die Achter-Tische bleiben und Minibar oder Room-Service muss niemand in Anspruch nehmen.« Selbstverständlich will Robinson kontinuierlich Innovationen präsentieren. In Khao Lak ist der Gala-Abend umgewandelt worden; unter dem Motto »Rob Carpet« will der Gastgeber Rob(inson) in lockerer Atmosphäre den roten Teppich ausrollen, der im Wechsel weiß und blau ist. Bernd Mäser und Andi Küng gucken genau hin, wie die Gäste reagieren. Sie tauschen sich kurz aus, dann springt der Clubdirektor als Vortänzer auf das Schachbrett. Der Geschäftsführer verabschiedet sich früh. Am nächsten Morgen fliegt er nach zweitägiger Stippvisite zurück nach Hannover – und bald wieder weiter zur Suche nach dem nächsten Club-Standort.

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