Lawinengefahr in der Schweiz: Hotelgäste müssen ausharren

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Lawinengefahr in der Schweiz

Hotelgäste müssen ausharren

In den Schweizer Bergen sind viele Ferienorte eingeschneit. Wegen hoher Lawinengefahr bleiben die Zufahrten geschlossen, die Gäste stecken fest oder können nicht anreisen. Die HTR hotelrevue hat erfragt, was der Hotelier dem Gast in Rechnung stellen kann.

Der Winter hat die Schweiz, aber auch deren Feriengäste, fest im Griff: Seit vergangenem Freitag schneit es vielerorts in den Alpen ununterbrochen. Die intensiven Niederschläge sollen auch zu Wochenbeginn anhalten. Bis am Montagabend rechnet das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF mit weiterem Neuschnee. Grössere Lawinenniedergänge können nicht ausgeschlossen werden.

Aufgrund der momentan prekären Situation in den Bergen sind vielerorts die Zufahrtswege über Strasse und Schiene unterbrochen. In zahlreichen Feriendestinationen stecken die Gäste fest.Und auch wenn die örtliche Tourismusorganisation, Hoteliers und Einheimische den eingeschneiten Gästen ein abwechslungsreiches Programm bieten und die Grundversorgung gewährleistet ist, sind nicht alle Gäste glücklich über die gezwungenermassen verlängerten Ferien. Denn laut Gesetz muss der Gast die in Anspruch genommene Leistung bezahlen. Für den Hotelier entsteht kein Ertragsausfall. Er darf seine erbrachte und verlängerte Leistung dem Gast in Rechnung stellen. 

Anreise nicht möglich oder verspätet

Anders sieht es bei der Anreise aus. Wenn die bereits gebuchte Unterkunft nicht auf dem üblichen Verkehrsweg, also über die Strasse oder Schiene erreicht werden kann, so darf der Hotelier dem Gast die Übernachtungen, die dieser nicht in Anspruch nehmen konnte, auch nicht verrechnen. Allfällige Vorauszahlungen muss der Gastgeber zurückerstatten. Dies geschieht im rechtlich vorgeschriebenen Rahmen der Bestimmungen über ungerechtfertigte Bereicherung.  Hat der Gast einen längeren Aufenthalt gebucht, und die Anreise ist nach ein, zwei Tagen wieder möglich, so muss er den Vertrag erfüllen, sofern das Hotel sein Angebot aufrecht erhalten kann. Der Hotelier darf dem Gast die Übernachtungen, die er nicht in Anspruch nehmen konnte, aber nicht verrechnen.  Reist der Gast nicht mehr an, nachdem die Zufahrt wieder möglich ist, dann kann der Gastgeber die gebuchten Übernachtungen ab Erreichbarkeit des Hotels in Rechnung stellen. Wenn die Zufahrt in einen Ferienort nur während einer bestimmten Zeit – etwa während einer Stunde – möglich ist und mit unverhältnismässigem Aufwand (Flugreise) verbunden ist, kann dem Gast die Anreise und Übernachtung nicht zugemutet werden und der Hotelier kann keinen Schadenersatz fordern. 

Beurteilung des Einzelfalles

Bei der Behandlung von Annullationen von Veranstaltern wie Reisebüros und Tour Operators ist zu differenzieren.  Erhebt der Veranstalter gegenüber seinen Kunden Schadenersatzforderungen, muss auch der Hotelier auf eine Annullationsforderungenn nicht verzichten. Im Zweifelsfall empfehlt der Dachverband hotelleriesuisse dem Hotelier, sich die Annullationskosten vom Veranstalter schriftlich bestätigen zu lassen.  Im umgekehrten Fall, wenn der Veranstalter keine Annullationskosten erhebt, sollte auch der betroffene Hotelier von Schadenersatzforderungen absehen.

Quelle: HTR.ch